Autor: Gunnnar Gunnarsson
Aus dem Dänischen von Helmut de Boor
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Seit 26 Jahren unternimmt der Schafhirte Benedikt im Advent seine Jahresschlußtour ins Hochgebirge Islands um jene Tiere einzusammeln, die sich während der Schafeinsammlung im Herbst verirrt hatten und nicht gefunden wurden. Meist zum 1. Advent bricht er auf, um nach einer Woche mit den gefundenen Tieren zurückzukehren. Seine Begleiter sind sein Hund Leo und der Widder Knorz, beide unerlässlich, um die verstreuten und verängstigten Tiere zu finden.
Denn wenn auch Schafe nur Schafe sind, so sind sie doch Wesen von Fleisch und Blut, Wesen mit Blut und Leben und Seele.
Auch diesen Winter bricht er zu seiner Wanderung auf. Es ist nun seine 27. Tour und für Benedikt ist es ein Jubiläum, da er nun 54 Jahre alt ist und er die Tour vor 27 Jahren als damals 27jähriger junger Mann begonnen hatte.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Advent im Hochgebirge“
Wenn ein Fest bevorsteht, machen sich die Menschen dazu bereit, jeder nach seiner Weise.
Mit diesem Satz beginnt eine Erzählung, die mich sehr berührt, und deren Wärme und Menschlichkeit, Gottvertrauen, Stärke und Kraft mich mitten ins Herz getroffen hat.
Benedikt ist ein einfacher Schafhirte. Er hat sein Leben gelebt, seine Träume hinter sich gelassen und ist ein Grübler und Einzelgänger geworden. Zusammen mit seinen Freunden, dem Hund Leo und dem Widder Knorz ist er im Hochgebirge unterwegs, weitab vom Menschen, und fühlt sich frei.
Hier lebt er als ein Teil von allem, was er erreichen kann und erfassen mit Blick und Hand, mit Gedanken und Ahnung. Diese Welt ist sein; von diesem Leben ist er Teil.
Was er in der Adventzeit tut, ist das nicht das, was wir uns wünschen würden, ist das nicht tief allgemein menschlich und ist das nicht das, was uns in unserer aktuellen chaotischen Welt abhanden zu kommen droht? Benedikt ist der gute Hirte, der jedes Schäfchen, wie verirrt oder allein es auch sein mag, wieder zurückbringt zur Herde, oder es zumindest versucht. Auf ihn ist verlass, das wissen auch die Bauern, die sich allein nicht die Mühe machen, ihr Vieh zu suchen.
Doch dieses Mal gestaltet sich die Tour anders. Das Wetter, so wissen die isländischen Bauern auf deren Höfen er vor Aufbruch ins Hochgebirge vorbeikommt, scheint Benedikt nicht wohlgesonnen. Er ist auch nicht ganz zufrieden damit, aber er weiß oben Tiere, die er retten muss und so wird er es auch dieses Mal halten. Zu dritt wandern sie in der Nacht und im Mondschein einem Ziel zu. Ein gutes Wetter für die Schafsuche ist es nicht und trotz der widrigsten Umstände, die lebensbedrohend werden, geben Benedikt und seine Begleiter nicht auf und werden schlussendlich belohnt. Mittlerweile ist es Weihnachten geworden, bis das Wetter es endlich zulässt, dass Benedikt ins Tal zurückkehren kann. Knorz freilich und die Schafe muss er zurücklassen, er will sie mit der Hilfe eines jungen Bauern zurückholen. Und als er auf dem Hof ankommt, geschieht das fast undenkbare: der Jungbauer hat sich schon mit anderen zusammengetan, um Benedikt zu suchen. Benedikts langjähriges Tun war also nicht umsonst. So wie er sich stets dem anderen Wesen zugewandt hatte, so stehen nun die jungen Männer nicht gleichgültig dem Leben des anderen gegenüber. Er, der einfache Schafhirte, konnte vermitteln, was für das Zusammenleben unerlässlich ist: Zusammenhalt und füreinander da sein.
Das ist Benedikts Art, Advent zu feiern.
Fazit
Advent im Hochgebirge ist eine der schönsten skandinavischen Weihnachtserzählungen, die drei Freunde auf ihrer Wanderung im Hochgebirge Islands begleitet, um jene Schafe einzusammeln, die während der Herbsteinsammlung nicht gefunden wurden.

Der Autor
Gunnar Gunnarsson wurde am 18. Mai 1889 auf dem Pfarrhof Valpjófsstadur in Fljotsdalur im östlichen Island geboren. Sein Onkel war dort Pfarrer, und sein Vater verwaltete den Hof. 1896 siedelte der Vater auf den etwas nördlicher gelegenen Bauernhof Ljotsstadir im Vopnafjord über, wo der Junge die Schafe hütete und alle Bücher verschlang, deren er habhaft werden konnte. In seiner bäuerlichen Umwelt waren die Lieder und Sagen der nordischen Vorfahren noch lebendig.
Mit 18 konnte er in Askov (Dänemark) für zwei Jahre die Volkshochschule besuchen. Bis zu seinem Durchbruch als Schriftsteller mit dem 1912 erschienen Roman „Die Leute auf Borg“ führte er ein sehr präkeres Leben.
Er schrieb seine Bücher überwiegend in dänischer Sprache, die wesentlich verbreiteter ist als Isländisch und übersetzte seine Werke erst nach seiner Rückkehr nach Island ab 1948 ins Isländische.
Gunnar Gunnarsson wurde zwischen 1918 und 1961 insgesamt achtmal für den Literaturnobelpreis nominiert, erhalten hat er ihn leider jedoch nicht.
Gunnar Gunnarsson starb 1975 in Reykjavík.
Bibliographische Daten (Stand Januar 2026 – antiquarische Ausgabe Philipp Reclam jun. Leipzig)
- TITEL: Advent im Hochgebirge
- AUTOR: Gunnar Gunnarson
- ÜBERSETZER: Helmut de Boor
- GENRE: Erzählung
- VERLAG: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH
- UMFANG der antiquarischen Ausgabe 1936: 78 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM der antiquarischen Ausgabe: 1936
- ISBN-13 der aktuellen Ausgabe: 978-3-15-014750-4
Weitere Literatur aus Island:
Jon Kalman Stefánsson, 2026 Himmelskörper am Rande der Welt
Glanz Berit, 2025 Unter weitem Himmel
Schmidt Joachim B.,
- 2020 Kalmann
- 2023 Kalmann und der schlafende Berg – Friedrich-Glauser-Preis 2024
- 2025 Ósmann



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