Autor: Reinhard Kaiser-Mühlecker
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Luisa ist eine ungewöhnliche Frau mit einem ungewöhnlichen Leben. Als Teenager verknallt sie sich in ihren Vater, der nicht ihr Vater ist, verlässt dann die Familie und beginnt ein unstetes Leben. Nach zwei gescheiterten Ehen, aus denen jeweils ein Kind hervorgegangen ist, zu denen sie aber nur sporadischen Kontakt pflegt, steht der Nicht-Vater vor der Tür, bereit für die Beziehung, zu der er vor 20 Jahren nicht fähig war. Als er unter nicht ganz geklärten Umständen zu Tode kommt, und Luisas Leben wieder aus den Fugen zu geraten scheint , wird gerade der Mann, der Anteil am tragischen Tod von Luisas Partner zu haben scheint, ihr Rettungsanker.
Selbst wenn ihr manches nicht gefiel: Sie hatte sich für ihn entschieden, und würde dabei bleiben, selbstredend würde sie das. (Seite 233)
Luisa scheint in einer beständigen Beziehung mit Ferdinand angekommen zu sein. Wäre da nicht sein besonderer Sohn Anton.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Brennende Felder“
Ich wollte eigentlich letztes Jahr den Roman Wilderer von Reinhard Kaiser-Mühlecker lesen, aber wie es so oft kommt, wenig Zeit und anderen Leseprojekten den Vorzug gebend, hatte ich den Autor mit seinem Werk schon vergessen. Umso mehr freut es mich, dass ich nun den neuen Roman lesen kann.
Soviel gleich vorweg: „Brennende Felder“ erzeugt einen gewaltigen Lesesog, die Seiten fliegen nur so dahin und gekonnt gesetzte Leseakzente geben der Lektüre den richtigen Kick!
Luisa, um die es sich im Roman hauptsächlich handelt, ist eine schillernde Romanfigur. Ihr Charakter, erklärt und interpretiert an Darstellungen ihrer Gedanken, ihres Handelns, ihres Empfindens und ihrer Reflexe auf die Außenwelt, ist literarisch enorm gut rübergebracht. Ich mag die Beschreibung ihrer Persönlichkeit, ich mag es in ihren Gedanken zu stöbern und die Welt durch ihre Augen zu sehen, und finde ihre affektiven Störungen grandios dargeboten. Luisas Handlungen beziehen sich nur auf ihren eigenen Kosmos, was außerhalb dieses Radius liegt, wird entweder nicht wahrgenommen oder so zurechtgebogen, dass es passt. Fasziniert von ihrem Verhaltensmuster kann ich gar nicht mit dem Lesen aufhören!
Welch sonderbare Gedanken oder Aufwallungen sie manchmal hatte. Was alles in einem Menschen Platz hatte. In ihr zumindest. (Seite 220)
Kaiser-Mühlecker schafft es scheinbar mühelos, eine Person mit komplexer Struktur in besonderen Farben zu zeichnen. Alle haben eine Meinung über sie und alle urteilen über sie, mich eingeschlossen.
Luisa ist enorm facettenreich und vielschichtig, und bis zum Ende des Romans weiß ich immer noch nicht wen ich vor mir habe. Von Anfang an besteht der Eindruck, dass der Autor sie erzählt, aber nicht erklärt. Kaiser-Mühlecker präsentiert uns hier ja eine fertige Person, eine fiktionale Vorstellung, wie so ein (fiktionaler) Mensch tickt, in einem Umfeld, in dem auch ihre Mitmenschen eigen sind.
Denn eines muss man Luisa lassen: darin, sich ihre Welt zurecht zu legen wie es für sie gerade passt, ist sie konsequent bis zum Schluss.
Sie war gut darin, zu bekommen, was sie wollte; sehr gut sogar. (Seite 233)
Dass das Ende dann mit einem Knall eingeläutet wird, sie wieder vor dem Nichts steht und wieder von vorne anfangen muss, aus ihrem Handeln nichts mitnehmen kann oder will, schließt die Geschichte über eine in vielen Farben und Phasen schillernden Frau.
Und wo sollte sie hin, wenn auch er sie verstieß, wie sie alle verstoßen hatten bisher, als hätte sie Aussatz? (Seit 363)
Fazit
„Brennende Felder“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker ist das 3. Buch der Trilogie der Familie Fischer aus dem österreichischen Rosental. In der Darstellung ihres Lebens vermag der Autor die vielen Farben und Phasen einer komplexen Person mit affektiver Störung zu zeichnen. Ein Roman, der voll und ganz überzeugt.

Dass man das Gleichgewicht in sich finden soll, ganz egal, was rundherum geschieht.
Der Autor
Reinhard Kaiser-Mühlecker wurde 1982 in Kirchdorf an der Krems geboren und wuchs in Eberstalzell, Oberösterreich, auf. Er studierte in Wien und betreibt eine Landwirtschaft. »Ich sehe es als eine Art Verpflichtung an, die Welt, die ich kenne, erfahrbar zu machen – einem, der sie nicht kennt. Der Roman »Fremde Seele, dunkler Wald« stand 2016 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2019 erschien der Roman »Enteignung«. Für sein Werk wurde Reinhard Kaiser-Mühlecker mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Frühjahr 2022 erschien Reinhard Kaiser-Mühleckers Roman »Wilderer«, der für den Deutschen Buchpreis und den Österreichischen Buchpreis nominiert war und mit dem Bayerischen Buchpreis 2022 ausgezeichnet wurde. Brennende Felder ist der dritte Band der Trilogie. Für weitere Informationen besuchen Sie die Website des Autors.
© Peter Rigaud
Bibliographische Daten (Stand August 2024 – S. Fischer Verlag)
- TITEL: Brennende Felder
- AUTOR: Reinhard Kaiser-Mühlecker
- GERNE: Roman
- VERLAG: S. Fischer Verlag GmbH
- UMFANG: 367 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM: 14. August 2024
- ISBN-13: 978 3 1039 7570 3
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