Autor: Tom Rachmann
Aus dem Englischen von Bernhard Robben
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Dora Frenhofer blickt auf eine durchwachsene Schriftstellerkarriere zurück. Noch ein letztes Mal will sie sich an einem Roman versuchen und dem Literaturbetrieb ihre Fähigkeit beweisen. Sie beginnt mit dem Schreiben, das ihr ziemlich schwerfällt und, versunken und verloren in Momenten und flüchtigen Begegnungen Geschichten, imaginiert sie Geschichten der Gegenwart, denen sie ihre eigene persönliche Note verleiht.
„Ich schreibe als ich selbst, Dora Frenhofer, gebe ausnahmsweise nicht vor, jemand Fremdes zu sein. Jedes zweite Kapitel aber wird sich einer anderen Figur widmen… (Seite 21)
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Die Hochstapler“
„Die Hochstapler“ ist ein Roman, unter dem ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt habe. Anstelle von Schwindlern zu lesen, entdeckte ich ein Buch, in dem die Protagonistin Dora Frenhofer am Ende ihrer künstlerischen Laufbahn ein letztes Werk schaffen will und dafür Momentaufnahmen und Bekanntschaften aus ihrem Leben in Kurzgeschichten verpackt, ganz nach dem Vorbild der großen russischen Schriftsteller. Jede einzelne Geschichte zeichnet ein Schicksal, wie es im Leben vorkommen kann, mit einer Pointe am Schluss, die mich mehr als einmal perplex zurücklässt.
Obwohl ich es nicht so gerne mag, wenn ein Roman immer wieder mit eingeschobenen Zwischengeschichten unterbrochen wird, finde ich hier den Mix gelungen. Zum einen, weil Rachman die Beziehung zu Dora aufrechthält, und ich sie sozusagen als meinen roten Faden betrachte, zum anderen, weil die Übergänge und die Rückführungen zu Dora handwerklich sauber und klar sind. Zudem weiß ich jetzt, dass nach jedem Kapitel Dora mit ihrem Tagebucheintrag an die Reihe kommt, eine Konstante, die Ruhe in die Handlungen bringt.
Tom Rachman weiß genau, wie er mich durch seine Geschichte führen muss, wie er mein Interesse anspornen kann und wieviel Information ausreicht, um meine Neugierde zu wecken, die ein Weiterlesen unaufschieblich macht. Dabei wählt er stets das richtige Maß an Zuruf, zwingt mich in keine Vorstellungsvorgaben und überrascht mich mehr als einmal mit seinen Entscheidungen. Wie Saunders es in seinem exzellenten Literaturwerk „Bei Regen in einem Teich schwimmen“ formuliert: Wie ein besessener Detektiv interpretiert der lesende Geist (Anm. ICH – die Leserin) jedes neu hinzukommende Stück Text allein in dieser Hinsicht, an viel anderem ist er (Anm. ICH – die Leserin) nicht interessiert.
Und genauso ist es, Rachman wirft mir eine Szene zu, und ich, ganz unbewusst, reagiere darauf. Diese Kunst des Dialogs ist handwerklich meisterlich gearbeitet. Tatsächlich ist der Parkour jeder Kurzgeschichte gespickt mit Stellen, die mich zum Weiterlesen anregen und ich schaffe es mühelos in voller Aufmerksamkeit bis zum Ende jeder Erzählung. Beachtlich wie ich, wenn Rachman kurz vor Ende eine letzte Information einschiebt, die dem Text einen regelrechten Kick versetzt und eine gänzlich unerwartete Wendung gibt, die Fassung verliere und ich das Gelesene in meinem inneren Auge nochmals ablaufen lasse, weil er mir so spät die bedeutendste Anmerkung lieferte. Das macht u.a. die Qualität des Buches aus und das trifft meinen Lesenerv.
Erwähnen möchte ich abschließend die großartige Übersetzung durch Bernhard Robben, durch die es gelungen ist, die Intention des Autors in die deutsche Sprache zu übertragen.
Fazit
„Die Hochstapler“ von Tom Rachman war eine intensive Leseerfahrung und ein literarischer Genuss. Exzellent geschrieben, fesselnd und gleichzeitig erschütternd, blicke ich in den letzten Lebensabschnitt der Dora Frenhofer und bin fasziniert von ihrer Imagination und gleichzeitig ernüchtert traurig über das Ende.
Der Roman „Die Hochstapler“ von Tom Rachman ist ein weiteres Jahreshighlight.

Handle spät, und du handelst nie. (Seite 10)
Der Autor
Tom Rachman, geboren 1974 in London, wuchs in Vancouver auf. Er war Auslandskorrespondent der Associated Press in Rom, die ihn u. a. nach Japan, Südkorea, Ägypten und in die Türkei entsandte. Später arbeitete er als Redakteur des International Herald Tribune in Paris. Rachmans erster Roman ›Die Unperfekten‹ wurde gleich nach Erscheinen zu einem internationalen Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in London. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Autors.
© Rasmus Kramer Schou, 2023
Der Übersetzer
Bernhard Robben, geb. 1955, lebt in Brunne/Brandenburg und übersetzt aus dem Englischen, u. a. Salman Rushdie, Peter Carey, Ian McEwan, John Williams, Patricia Highsmith und Philip Roth. 2003 wurde er mit dem Übersetzerpreis der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW ausgezeichnet, 2013 mit dem Ledig-Rowohlt-Preis für sein Lebenswerk geehrt. Quelle: dtv
Bibliographische Daten (Stand Juli 2024 – dtv)
- TITEL: Die Hochstapler
- AUTOR: Tom Rachman
- ÜBERSETZER: Bernhard Robben
- GENRE: Roman
- VERLAG: dtv Verlagsgesellschaft
- UMFANG: 416 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM: 13. Juni 2024
- ISBN-13: 978 3 4232 8397 7
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