Autorin: Alice Berend
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Frau Hempel wohnt mit ihrem Mann, Schuster Hempel, und Tochter Laura in einer bescheidenen, dunklen Wohnung im Erdgeschoss eines stattlichen Berliner Hauses und versorgt dort die Arbeiten einer Portiersfrau. Stets hilfsbereit und anpackend, und immer wachsam ob sich nicht ein zusätzlicher Taler verdienen lässt, ist sie von morgens bis abends auf den Beinen. Ihre Tochter soll es einmal besser haben; dafür hat sie 3 Sparbüchlein angelegt, die sie in der untersten Schublader der Kommode gut versteckt hat, und die bald die erste zehnstellige Zahl erreichen.
Von dem ersten Augenblick an, wo Frau Hempel das zierliche Wesen zum ersten Mal im Arm gehalten hatte, war es ihr klar gewesen, dass es das Mädchen besser haben sollte als sie.
Laura ist eine folgsame, hübsche junge Frau, die nach einer schulischen Ausbildung, durch Vermittlung ihrer Mutter, eine Anstellung in der besseren Berliner Gesellschaft findet. Dabei lernt sie schnell die Welt hinter den glänzenden Fassaden kennen.
Als Frau Hempel ein Haus mit Badeanstalt außerhalb der Metropole angeboten wird, überlegt sie nicht lange. Ihr Wunsch nach Eigenständigkeit und einem besseren Leben sind Grund genug, das Wagnis einzugehen. Zusammen mit ihrem Mann und Laura zieht sie an den See, der im Sommer als Freibad und in den Wintermonaten als Eislaufplatz beliebt ist.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Frau Hempels Tochter“
„Frau Hempels Tochter“ ist im Zuge der Buchreihe „Reclams Klassikerinnen“ 2025 vom Reclam Verlag neu aufgelegt worden. Ein neues Lesepublikum darf sich somit an diesen Kassenschlager von 1912 erfreuen.
Wie kaum eine andere erzählt Alice Berend in feinem Humor von einer Berliner Kleinbürgerfamilie, die es durch Fleiß, Geschäftssinn und Courage von Frau Hempel zu Wohlstand bringt. Dabei ist Frau Hempel eine einfache, aber überaus energische Frau, etwas füllig und mit Händen, die von körperlicher Arbeit zeugen. Ihr Mann, der fleißige Schuster Hempel, ist die Liebenswürdigkeit in Person. Einfach, aber nicht einfältig, ist er der Ruhepol in der Familie, der auch die hübsche, zierliche Tochter Laura angehört. Sie soll es einmal besser haben; das ist die Triebfeder von Frau Hempel.
„Frau Hempels Tochter“ ist ein Roman, der dem Berliner Milieu verpflichtet blieb, schreibt Margret Greiner in ihrem Nachwort. Alice Berends Romane heben eine detailgetreue, realistische Schilderung der kleinen Leute, die häufig bodenständige Berufe wie Schuster, Portiersfrauen ausübten, hervor. Besonders gelungen ist Berends humoristisch Entfaltung der Themen und Figuren und viele Sätze zeugen von einem mit Erfahrung gesättigten Leben.
Stets zaubern mir Alice Berends Schilderungen ein Lächeln auf die Lippen und ich freue mich mit Frau Hempel, dass sie ein so gutes Händchen bei geschäftlichen Angelegenheiten an den Tag legt. Die mit Detailreichtum hervorgehobenen Romanfiguren und ausgeschmückten Szenen garantieren eine entspannende, spannende Lektüre. So gelingt es mir federleicht, mir das Leben der Familie Hempel vorzustellen.
Natürlich wird Laura die große Liebe finden und natürlich gibt es ein Happy End. Der Roman, der beste Unterhaltung bietet, will mir nicht noch mehr Sorgen aufbürden, als ich schon selber zu tragen habe. „Frau Hempels Tochter“ ist ein Roman zum Zeitvertreib, ein wenig zum Träumen und zum Verlieben, etwas für das Herz und das Gemüt, mit einer ordentlichen Prise an Courage, gesundem Menschenverstand, pfiffigen und flotten Redewendungen und Sprichwörtern.
Einziges Manko ist das Cover, denn die hübsche Frau hat weder etwas mit Frau Hempel noch mit ihrer Tochter Laura zu tun. Das ist das einzige das mich vielleicht etwas irritiert hat, ansonsten bin ich restlos begeistert.
Fazit
„Frau Hempels Tochter“, aus der Feder von Alice Berend, ist ein überaus unterhaltender Roman über Frau Hempel, die es von einer einfachen Portiersfrau zu Wohlstand gebracht hat. Umgeben von ihrem liebenswürdigen Mann und einer folgsamen, hübschen Tochter entkommt Frau Hempel dem kleinbürgerlichen Berliner Milieu und steigt auf in die bessere Gesellschaft. Der Roman besticht durch einen niveauvollen Erzählstil und einem feinen Humor.

Die Autorin
Alice Berend, die 1875 geborene Schwester der Malerin Charlotte Berend-Corinth, veröffentlichte vor allem zwischen 1910 und 1920 zahlreiche Romane, die bei S. Fischer in Auflagen von mehreren hunderttausend Exemplaren erschienen. Ihre historischen und zeitgeschichtlichen Schilderungen Berlins trugen Alice Berend bald den Ruf einer „kleinen Fontane“ ein.
Sie war in erster Ehe mit dem in London lebenden schwedischen Schriftsteller John Jönsson verheiratet, von dem sie sich scheiden ließ und 1926 den Maler Hans Breinlinger heiratete.
1933 wurden ihre Bücher von den Nationalsozialisten auf die »Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums« gesetzt. Um selbst weiter im Nazi-Deutschland als Künstler tätig zu sein, sagte sich ihr zweiter Mann von ihr los und bekam ihr Vermögen zugeschlagen. Als Jüdin verfolgt und zur Emigration gezwungen, starb sie verarmt und vergessen in Ihrem Italienischen Exil.
Quellen: AvivA Verlag & Projekt Gutenberg
@Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Bibliographische Daten (Stand Februar 2025 – Reclam)
- TITEL: Frau Hempels Tochter
- AUTORIN: Alice Berend
- VERLAG: Reclam
- GENRE: Roman
- UMFANG: 200 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM der aktuellen Ausgabe: 12. Februar 2025
- Ersterscheinung 1912
- ISBN-13: 978 3 1501 1523 7
Weitere Buchbesprechung zu meinen Klassikern in meinem Blog finden Sie hier.



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