Autor: Herbert Clyde Lewis
Aus dem Amerikanischen von Klaus Bonn
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Herbert Clyde Lewis erzählt ziemlich genial genau das, was auf dem Cover draufsteht: Ein Gentleman geht über Bord.
Ein fataler Moment auf der Arabella, einem Frachtschiff auf der Fahrt von Honolulu nach Panama: ein Fehltritt und Henry Preston Standish fällt kopfüber in den Pazifischen Ozean, gerade als am östlichen Horizont die Sonne aufgeht.
Mit einem Mal begriff er das Entsetzliche, das dem Tod durch Ertrinken in einem ruhigen blauen Meer anhaftete – die Zeit nämlich, die einem zur Verfügung steht, um nachzudenken und sein Schicksal zu verfluchen, sich so ohnmächtig klein und voller Angst vorzukommen und dabei zuzusehen, wie man ausgelaugt wird bis auf die Knochen.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Gentleman über Bord“
Der Roman ist unglaublich gut!
Henry Preston Standish ist ein erfolgreicher Börsenmakler, gut verheiratet mit zwei kleinen Kindern, und steht mitten in einer Lebenskrise mit knapp 35 Jahren. Deshalb erbittet er sich eine Auszeit und seine sehr verständnisvolle Ehefrau stimmt dem zu, denn sie merkt ja, dass es ihm nicht gut geht. Nach einigen Wochen in der Fremde entschließt sich unser Hauptakteur vor der Heimreise eine letzte Schifffahrt mit der Arabella von Honolulu nach Panama anzutreten, zusammen mit weiteren 8 Passagieren. Alles geht seinen geregelten Weg, bis zum fatalen Moment.
Er würde all seine Gaben, die Gott und die Erziehung ihm verliehen hatten, nutzen, um hier lebend herauszukommen: Ausdauer und Mut und das Beste seiner scharfsinnigen Denkart.
Zurecht geht Standish davon aus, dass er gleich gerettet wird. Sein Tagesablauf war allen bekannt, seine Besonderheiten ebenso. Dass ihn niemand so schnell vermisst, obwohl, wäre es ein normaler Tag, seine Abwesenheit sofort aufgefallen wäre, ist schicksalshaften Umständen geschuldet. Und so nimmt das Leben seinen Lauf und für Henry Preston Standish tritt, im Wasser treibend, jenes existentiellen Moments ein, in dem er über sein ganzes Leben nachdenkt, was gut war, was weniger und was er in Zukunft alles anders zu machen gedenkt.
Faszinierend, klug und sanft geschrieben, ist „Gentleman über Bord“ ein Buch für die, die über ihr Leben nachdenken möchten und für all jene, die ein ausgezeichnet komponiertes Meisterwerk der amerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts lesen möchten. In der Stimmung komisch, wenngleich bei genauerem Betrachten eine Tragödie vorliegt, habe ich die liebevolle Hingabe Lewis zu seiner Hauptromanfigur bereitwillig aufgenommen. Nachdenklich schließe ich diese außergewöhnliche literarische Neuentdeckung, wissend, dass sie mich ab nun für immer begleiten wird.
Fazit
„Gentleman über Bord“ von Herbert Clyde Lewis ist mit das Beste, was ich dieses Jahr (Anm. 2023) gelesen habe. Es ist ein perfekt komponiertes Meisterwerk, das über jenes existentielle Moment im Leben erzählt, das aller verändert.
Besonders schön aufgemacht, in Leinen gebunden und in einem Schuber eingeschoben, präsentiert sich das Buch als eine Kostbarkeit, die jeden Cent wert ist.

Ganz am Ende denkt doch der Mensch nur noch an sich selbst.
Der Autor
Herbert Clyde Lewis (1909–1950), Sohn einer aus Russland stammenden jüdischen Einwandererfamilie in New York, arbeitete als Reporter Anfang der Dreißigerjahre in China, dann in den Vereinigten Staaten. Gerade als sein erster Roman, eben „Gentleman Overboard“ erschien, war Lewis in den Privatkonkurs geschlittert, zog nach Hollywood, schrieb Drehbücher, wurde für seinen Beitrag zum Film „Ein Leben wie ein Millionär“ (1947, Originaltitel: „It Happened on 5th Avenue“, deutscher Alternativtitel: „Der reichste Mann der Welt“) mit seinem Ko-Autor Frederick Stephani für den Oscar nominiert (den sie aber nicht gewannen) und verstarb mit gerade einmal einundvierzig Jahren 1950 an einem Herzinfarkt. Ein ziemlich bewegtes Leben. Quelle: FAZ

Der Übersetzer
Klaus Bonn, geboren 1958, ist freier Autor, Übersetzer und Lehrbeauftragter. Er studierte Literaturwissenschaft, Anglistik und Philosophie in Mainz. Er übersetzte u. a. H. D. Thoreau, Harriet Taylor Mill und Chloe Aridjis sowie Gedichte, etwa von Edna St. Vincent Millay, Louise Bogan und Lola Ridge. Quelle: LovelyBooks
Bibliographische Daten (Stand Dezember 2023 – mareverlag)
- TITEL: Gentleman über Bord
- AUTOR: Herbert Clyde Lewis
- ÜBERSETZUNG: Klaus Bonn
- GENRE: Roman
- VERLAG: mareverlag
- UMFANG: 171 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM: 14. März 2023
- ISBN-13: 978 3 8664 8696 6
Weitere Klassiker der amerikanischen Literatur des letzten Jahrhunderts in meinem Blog sind:
John Williams – Stoner
John Williams – Augustus



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