Autorin: Doris Knecht
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Gruber sitzt mit Sarah in einem Berliner Lokal. Es gibt ein schwieriges Gespräch, denn Sarah ist schwanger, ungewollt und zur falschen Zeit. Als sie ihm gesteht, an eine Abtreibung gedacht zu haben, trifft dies Gruber wie eine Faust ins Gesicht. Vieles ist ihm seit Sarahs Textnachricht durch den Kopfgegangen, doch das ist zu viel, Gruber kann das jetzt nicht. Er steht auf, dreht sich um, und Gruber geht.
Gruber ist ein Prachtexemplar eines Mittdreißiger Karrierist, Porschefahrer mit Topjob, zuhause in den europäischen Flughafenlounges, in den besten Kneipen der Metropolen unterwegs, bevorzugt nächtliche Bekanntschaften noch vor dem Frühstück nicht mehr zu sehen, ist ein eingefleischter Junggeselle, Chauvinist, Macho und Wiener.
Eher beiläufig lernt er auf einer Flugreise Sarah kennen, die ihm dann schicksalshaft in Zürich über den Weg läuft, als es ihm gerade nicht besonders gut geht. Und obwohl Gruber ganz Gruber ist, und Sarah ganz Sarah, ist etwas anders, ein Gefühl, das für beide neu ist.
Die ungewohnte Situation bringt Grubers menschliche Seite ans Tageslicht, sein emotionales Repertoire erweitert sich und eine erstaunliche Wandlung nimmt seinen Lauf.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Gruber geht“
Von Doris Knecht habe ich den 2011 erschienen Roman Die Nachricht gelesen, der mir sehr gefallen hat und nun war ich auf ihren Debütroman gespannt.
Johann Gruber, JFG, wie die Initialen auf seinem schönsten taubblauen Van Laak Hemd strahlen, ist ein Wiener Chauvinist und seiner makellosen Perfektion verfallen. Das skizziert Doris Knecht hervorragend und es ist ihr mit ihm eine echte Kultfigur gelungen. So ernst nehme ich Gruber allerdings nicht. Er hat eine an der Birne, soviel steht fest, es kann gar nicht anders sein und trotzdem mag ich den Typen. Er ist schonungslos offen, direkt, scharfkantig, ein Frauenliebhaber mit Bindungsängsten und Familienphobie.
Und er kontrastiert in geradezu perfekter Weise zum verweichlichten modernen Mann, der in seiner grenzenlosen Unsicherheit schon bald nicht mehr weiß, wer er ist. Damit eckt er gewaltig an. Sein Chauvinismus erreicht himmlische Höhen, da braucht es schon eine Sarah Vogel, die ihn mit ihrem Grinsen wieder auf den Boden bringen kann.
Ich habe es hier also mit einem Mann zu tun, der sich überlegen fühlt, und dieses Gefühl besonders den Frauen gegenüber extrem auslebt. Seine Bettgeschichten, sein überkandideltes Männergehabe und seine soziale Ruppigkeit machen ihn nicht unattraktiv, menschlich einfühlsam ist aber etwas anderes. Dass dieser extravagante Typ eine Wandlung durchleben muss, sich läutert und zu einem soliden Familienmensch mutieren kann, ist zwar anfangs kaum vorstellbar, doch Doris Knecht zeigt, wie‘s gehen kann.
Ihre ellenlangen Sätze, ich komme im Kopf beim Lesen ganz außer Atem, sind meisterhaft konstruiert. Kein Wort sitzt falsch, kein Adverb oder Umstandswort an ungeeigneter Stelle und ich bin voll im (Lese)Fluss, während die Seiten nur so dahinblättern. Durchaus anregend sind die Liebesszenen, die ein Beweis sind, dass Literatur mitunter auch Erotik gut kann. Sie sind der Pfeffer in der Geschichte und gehören zu Gruber. Zu prüde sollte man vielleicht allerdings nicht sein.
Fazit
Mit ihrem Debütroman „Gruber geht“ ist Doris Knecht eine herrliche Persiflage auf jenen Typ Mann, den man milde gesagt als Draufgänger bezeichnen könnte, gelungen. Eingefleischten Feministinnen ohne gehörige Portion Humor und eher biederen Literaturanhängern kann ich den Roman nicht wirklich empfehlen, allen andere garantiert er hingegen höchst amüsanten Lesespaß.

Die Autorin
Doris Knecht, geboren in Vorarlberg, ist Kolumnistin (u.a. beim Falter und den Vorarlberger Nachrichten) und Schriftstellerin. Ihr erster Roman, Gruber geht (2011), war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde fürs Kino verfilmt. Zuletzt erschienen Besser (2013), Wald (2015), Alles über Beziehungen (2017) und weg (2019). Sie erhielt den Literaturpreis der Stiftung Ravensburger und den Buchpreis der Wiener Wirtschaft. Doris Knecht lebt mit Familie und Freunden in Wien und im Waldviertel. Weitere Informationen über die Autorin entnehmen Sie bitte aus ihrer Website.
@Heribert Corn
Bibliographische Daten (Stand November 2024)
- TITEL: Gruber geht
- AUTORIN: Doris Knecht
- GENRE: Roman
- VERLAG: Rowohlt – Berlin Verlag
- UMFANG:
- ERSCHEINUNGSDATUM: 11. März 2011
- ISBN-13: 978 3 8713 4691 0
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