Autorin: Iris Wolff
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Klappentext:
Sine kehrt nach über zwanzig Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihre Großmutter Agneta ist gestorben, und gemeinsam mit ihrem Vater Johann reist sie zu deren Begräbnis nach Siebenbürgen. Das Haus der Großmutter zieht sie vom ersten Augenblick an in ihren Bann: das Gebäude mit seiner geheimnisvollen Architektur, dem vermauerten Eingang zur ehemaligen Familienfärberei und den verschiedenfarbigen Räumen wecken Erinnerungen an ein Zuhause, das Sine längst verloren glaubte.
Ein Bruchstück aus der Vergangenheit, an das man sich oft erinnert.
Agnetas Lebensgeschichte und die Menschen, die sie umgaben, sind ein erster Schlüssel für Sines Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit. Doch erst die Begegnung mit Julian, dem Freund der Kindheit, und Sines Eintauchen in die Landschaft Siebenbürgens öffnen Sine den Blick für das Wesentliche: Heimat ist der Ort, an dem die Erinnerungen aufgehoben sind.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Halber Stein“
„Halber Stein“ ist Iris Wolffs Debütroman, der erstmalig 2012 im Otto Müller Verlag als Hardcover erschien und nun als Taschenbuch von Klett-Cotta neu aufgelegt wurde.
Da ich Iris Wolff als Schriftstellerin sehr schätze und in meinem Blog ihre Romane „Die Unschärfe der Welt“ und „Lichtungen“ besprochen habe, war ich nun sehr neugierig auf ihr Debüt.
Wo bist du so lange gewesen, schien mir das Haus aus jedem Zimmer zuzuflüstern.
Gleich vorweg: ich habe dieses Buch geliebt! Selten habe ich mich in einem Roman so wiedergefunden, selten war es mir vergönnt durch einen Roman eine emotionale Zeitreise in meine Kindheit zu unternehmen. Die Schilderungen wie Sine zurück- und wieder ankommt, in ihrem Leben und in dem Ort und ihr verlorengegangenes Paradies wiederentdeckt, hat mich in das Haus meiner Großmutter und an die Sommermonate, die ich dort verbracht habe, zurückversetzt. Ich konnte wie Sine durch ein Haus wandern, Zimmer durchstreifen, Farben, Gegenstände und Gerüche wahrnehmen, und mit leichter Wehmut an etwas zurückdenken, das so lange vergangen ist. Sines Wunsch, die Zeit zurückzudrehen, wurde mit dem Lesen auch meiner.
Die Begegnung mit der fremden Kultur, denn das ist ja Siebenbürgen für Sine geworden, führt sie zurück in etwas, was ihr als Kind gegeben wurde. Wolffs Achtsamkeit bei den Beschreibungen der Siebenbürger und ihrer Geschichte, Kultur und Lebensweise, die hohe Sensibilität, die sie bei der Erzählung von Veränderung und Schmerz zeigt, das hat mich doch sehr beeindruckt.
Ich hatte keine Vorstellung von der Zukunft und das Gefühl, nirgendwohin zu gehören.
Damit trägt Iris Wolff für ein besseres Verständnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen bei, denn sie erklärt auf ihre subtile Weise, was es bedeutet, in ein neues Land zu kommen und sich eingliedern zu müssen. Die Geschichte der Südtiroler zeigt Ähnlichkeiten auf, in der Art an Traditionen festzuhalten und für ein Land einzustehen, auch wenn dies bedeutet, Familie zu verlieren.
Das Leben liegt in der Stille, jenseits von Taten, vom Lärm der Welt.
„Halber Stein“ ist gelungen, was nur selten vorkommt: eine fremde Erzählung verschmilzt zu einem Teil von mir. Deshalb zählt dieser Roman zu meinen Allzeitlesehighlights. Schade nur, dass ich nicht schon früher auf die Schriftstellerin aufmerksam wurde und zuerst ihre nachfolgenden Romane „Die Unschärfe der Welt“ und „Lichtungen“ gelesen habe, die mich damals bei weitem nicht so erreichen konnten. Jetzt nehme ich mir vor, sie nochmals zu lesen.
Fazit
„Halber Stein“ von Iris Wolff erzählt von Abschied und Zurückkommen, von der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und von der Liebe zur Großmutter, die jetzt nicht mehr da ist, aber in Sines Herzen weiterleben wird. Der starke Debütroman einer damals jungen Autorin aus Siebenbürgen zeigt beeindruckend, wie stark Bindungen zu Land und Menschen sein können und wie wichtig es ist zu wissen, woher man stammt.

Die Vergangenheit war hiergeblieben. Sie würde immer hierbleiben, egal, welchen Weg ich einschlagen würde.
Die Autorin
Iris Wolff, geboren in Hermannstadt, Siebenbürgen. Die Autorin wurde für ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Eichendorff-Literaturpreis, dem Marieluise-Fleißer-Preis sowie dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Solothurner Literaturpreis für ihr Gesamtwerk. Zuletzt erschien 2024 der Roman »Lichtungen«, der mit dem Uwe-Johnson-Preis und dem Spycher: Literaturpreis Leuk ausgezeichnet sowie für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert wurde. Die Autorin lebt in Freiburg im Breisgau. (Quelle: Klett-Cotta)
Mehr über die Autorin erfahren Sie auf Ihrer Website.
Foto © Ramin Talaie
Bibliographische Daten (Stand März 2026 – Klett-Cotta Verlag)
- TITEL: Halber Stein
- AUTORIN: Iris Wolff
- GENRE: Roman
- VERLAG: Klett-Cotta Verlag
- UMFANG: 320 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM Taschenbuchausgabe 2026: 14.Februar 2026
- ISBN-13: 978 3 6089 6660 2
Weitere Buchbesprechungen von Iris Wolffs Romanen in meinem Blog:
- 2020 Die Unschärfe der Welt – Longlist Deutscher Buchpreis 2020
- 2024 Lichtungen – Shortlist Deutscher Buchpreis 2024



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