Autor: Knut Hamsun
Aus dem Norwegischen von Julius Sandmeier
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Klappentext der Anaconda Ausgabe von 2023:
Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, eher er von ihr gezeichnet worden ist ….
Mit diesen Worten beginnt der große Roman des norwegischen Literaturnobelpreisträgers Knut Hamsun, mit dem ihm 1880 der Durchbruch gelang. Atemlos verfolgt der Leser, wie ein namenloser, erfolgloser Journalist und Schriftsteller durch Kristiania, das heutige Oslo, treibt und dabei mehr und mehr in Elend gerät. Obdachlos hungert, friert, fantasiert er durch die Straßen. Die Außenwelt, Scham und Stolz verstellen ihm den Weg in ein gesichertes Leben.
Hunger ist ein radikaler Roman und Meilenstein modernen Erzählens, der bis heute seine Leser zeichnet.
Nun hatte der Hunger begonnen mich anzugreifen.
Meine persönlichen Leseeindrücke
Lieblingsbücher sind Bücher, die einen finden. Das sind nicht unbedingt die besten oder Lesehighlights, sondern jene, die für einen geschrieben sind. Ich habe nur wenige Lieblingsbücher: Radetzkymarsch – Deutschstunde – Leinsee und ab nun auch Hunger.
Hamsun, sagt Roger Willemsen, kann etwas, was nur große Schriftsteller zustande bringen: Er hat die große Fähigkeit die Geschichte zu erzählen, die er nicht erzählt. So ist es in „Hunger: Er schreibt über den namenlosen Protagonisten und seine Schwierigkeiten, mit seinem Können Geld zu verdienen und in diese Erzählung schleicht sich eine zweite ein, mit dem Hunger in der Hauptrolle. Wie Hamsun die Veränderung des Protagonisten schonungslos offenlegt, sein Innerstes entblößt und die Anstrengungen, die der Protagonist unternimmt, um den damaligen gesellschaftlichen Regeln zu genügen, ist erschütternd.
Der Protagonist verfällt in den Wahnwitz des Hungers, wird leer und schmerzfrei. Sein Wahnsinn wird ein Delirium der Schwäche und der Erschöpfung und die Sorge wahnsinnig zu werden, verstört ihn zutiefst. Zu der geistigen Auswirkung kommt die körperliche hinzu, die ihn entstellt, sodass die Leute auf der Straße bei seinem Anblick erschrecken.
Ich hatte mich so viele Jahre oben gehalten, war in so harten Stunden aufrecht gestanden, und nun war ich mit einem Mal bis zur brutalen Bettelei herabgesunken.
Der Protagonist ist sich seiner Situation durchaus bewusst. Diese Selbstreflexion der Demütigung und Entehrung, die der verarmte Journalist erfährt, wird von Hamsun nicht expressiv erzählt, sondern aus den Zwischenräumen herausgearbeitet. Das macht die Größe aus und das ist das Radikale an Hamsuns Erzählkunst, mit welcher er die Moderne einläutet.
Du guter Gott, wie schlecht war es um mich bestellt. Ich war meines ganzen elenden Lebens so herzlich müde, dass ich es nicht mehr der Mühe wert fand, weiterhin darum zu kämpfen.
Hamsun gilt in Norwegen noch heute als größter Erzähler. Im deutschen Sprachraum hingegen ist er vergessen worden. Es wäre schön, wenn ich mit diesem Beitrag den einen oder anderen Literaturliebhabenden hiermit wieder auf ihn aufmerksam machen könnte.
Fazit
In seinem großen Roman „Hunger“ beschreibt Hamsun was es bedeutet, nichts zum Essen zu haben und was dieser Zustand mit dem namenlosen Protagonisten macht. Das Buch ist eine radikale Darstellung eines selbstzerstörerischen Psychogramms eines modernen Antihelden.

Wie wunderbar schmeckte es, wieder ein ehrlicher Mensch zu sein!
Der Autor
Wenn man die Vita des Nobelpreisträgers liest und sich ein wenig mit ihm beschäftigt, dann ist es sehr traurig, dass man diesen großen Schriftsteller zuerst verteidigen muss. Problematisch ist Knut Hamsuns Sympathie für Adolf Hitler und den Nationalsozialismus, die er in Zeitungsartikeln zum Ausdruck brachte und relativierte. Er schien sich in seiner Verblendung Hitlers Ideologie gänzlich ausgesetzt zu haben.1943 traf sich Hamsun bei einer Deutschlandreise mit Goebbels und Hitler.
Er war weit über 80 Jahre alt als er dafür nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen wurde und die seinen finanziellen Ruin bedeutete.
Hamsun wurde 1920 für seinen Roman „Segen der Erde“ mit dem Literaturnobelpreis geehrt und prägte eine ganze Literatsgeneration: Hermann Hesse, Thomas Mann und Maxim Gorki verehrten ihn für seine Prosa.
Bibliographische Daten (Stand Juni 2023- – Anaconda Verlag)
- TITEL: Hunger
- AUTOR: Knut Hamsun
- GENRE: Roman
- VERLAG: Anaconda Verlag
- UMFANG: 224
- ERSCHEINUNGSDATUM: 18. Januar 2023
- ISBN-13: 978 3 7306 1216 3
In meinem Blog finden Sie Buchbesprechungen zu Knut Hamsuns Romanen
Hier finden Sie eine Auswahl von Werker weiterer Literaturnobelpreisträgern.
Roger Willemsen spricht in einem sehr schönen Beitrag über Knut Hamsun, den Sie auf youtube ansehen können.



Leave A Reply