Autorin: Jacqueline Harpmann
Aus dem Französischen von Luca Homburg
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
In einem unterirdischen Keller sind 39 Frauen und ein Mädchen gefangen. Sie leben auf engstem Raum und unter ständiger Beobachtung durch die Wärter nach einem immergleichen Muster, geprägt durch künstliches Licht.
Die Ich-Erzählerin ist die jüngste unter den Gefangenen und noch ein Kind mit unbekanntem Alter. Sie wächst in diesem sonderbare Raum auf, der wenig menschliches bietet. Und trotz all der widrigen Umstände ist es ihr rebellisches Wesen, das ihr ein Überleben ermöglicht. Sie fängt an, ihren Herzschlag zu zählen und durch ihr unverwüstliches Naturell, die rasende Neugierde und Resilienz mit Mut und Kraft vereint, lernt sie von den anderen Frau zu leben.
Meine Erinnerungen beginnen mit einer Wut.
Jahrelang ziehen die Frauen durch die Ebene, von Grab zu Grab, und werden zu tragischen Zeugen des Unbegreiflichen.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Ich, die ich Männer nicht kannte“
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist mehr als nur ein Science-Fiction Roman. Als Psychogramm und Psychoanalyse beschäftigt er sich mit dem Sinn des Lebens, dem Mensch sein und dem Begriff der Freiheit. Was braucht ein Mensch, um Mensch zu sein und was bedeutet es, ein richtiges Leben zu führen? 39 Frauen mit ihren Erinnerungen an ein glückliches Leben vor der Gefangenschaft, machen es sich zur Aufgabe, die kleinste unter Ihnen, fast noch ein Kind, die den Unterschied zum sinnentleerten Dasein nicht kennt, obwohl sie diejenige ist, die damit versucht zurechtzukommen, an ein einsames Leben an einen gottverlassenen Ort vorzubereiten.
Erneut wurde mir bewußt, dass ich eines Tages als Letzte übrigbleiben würde.
Während ich lese, frage ich mich, ob ich so ein Dasein aushalten könnte. Wie wäre ich, in welcher der Frauen würde ich mich wiederfinden? Gewiss nicht in der Jüngsten, die eine Stärke und Resilienz an den Tag legt, die einfach nur beeindrucken. Woher nimmt ein Mensch diese Kraft, wie viel von all dem ist in die Wiege gelegt und wie viel wird durch Äußeres beeinflusst? Ich kann darauf keine Antwort geben.
Fakt ist, die Ich-Erzählerin ist anders als die anderen. Sie kennt nach der Gefangenschaft im Keller nur die Un-Freiheit der steinige Ebene, das Umherirren und den allmählichen Verlust der Hoffnung. Denn mit der Zeit wird klar, dass die Frauen zwar das Gefängnis überlebt haben, um festzustellen, dass überleben nichts anderes bedeutet, als den Zeitpunkt des Todes immer weiter hinauszuzögern. Ein Leben ohne Zukunft. eine langsame Zermürbung, eine Enttäuschung nach der anderen, eine Niederlage ohne Schlacht, die alles zunichtemacht.
In Wahrheit hatten wir nur das Gefängnis gewechselt.
So wächst die Jüngste als unfruchtbarer Spross einer Art, von der sie nichts kennt oder weiß, ein Lebewesen, das keine zwischenmenschliche Nähe erträgt und kein körperliches Gefühl entwickelt, heran. Sie vermisst nicht, was die anderen sich so sehr zurückwünschen, sie hat die anderen Frauen nie verstanden, weil sie nicht weiß, wovon gesprochen wird.
Die große Tragik der Überlebenden, die sich verbissen ans Leben klammern, im Käfig drinnen und in der Freiheit draußen, wird die Gewissheit, dass sie diese Existenz erst mit dem Tod verlassen werden kann. Und so wird die Ich-Erzählerin, was jedem von uns wohl an den Rand des Erträglichen bringen würde. Eine Tätigkeit, die ihr nichts ausmacht, die sie präzise ausführt, als Dienst an ihren Mitmenschen, ohne Regung oder Zweifel. Die einzige Zärtlichkeit, die sie je über sich ergehen lässt, ist das letzte liebevolle Streicheln ihrer Wange der Sterbenden, bevor sie das Messer zwischen den Rippen der Sterbenden ins Herz stößt.
Könnte ich so etwas? Ist das menschlich? Wie weit geht man, wenn man den gewohnten sicheren Lebensraum verlassen muss? Was bedeutet Leben überhaupt?
Dieses Szenario verstört, und ganz realistisch ist es nicht, es macht aber Sinn für diese Studie eines Menschen, der normal geboren wurde und dann einen gänzlich anderen Werdegang durchlebt.
Mit etwas über sechzig, so rechnet die Ich-Erzählerin, wird ihr Leben ein Ende finden. Ihr Bericht, den sie schreibt, um ein Zeugnis dazulassen, dass auf dem fremden Planeten Leben war, zeugt von jahrzehntelanger Einsamkeit, die durch Neugier, Kraft und Mut ein Dasein ermöglichte. Nur zum Schluss ist die Hoffnung, die sie fast 20 Jahre vorangetrieben hatte, fast erloschen.
Fazit
Mit etwas über sechzig, so rechnet die Ich-Erzählerin, wird ihr Leben ein Ende finden. Ihr Bericht, den sie schreibt, um ein Zeugnis dazulassen, dass auf dem fremden Planeten Leben war, zeugt von jahrzehntelanger Einsamkeit, die durch Neugier, Kraft und Mut ein Dasein ermöglichte. Nur zum Schluss ist die Hoffnung, die sie fast 20 Jahre vorangetrieben hatte, fast erloschen.
Was macht einen Menschen aus, was zeichnet ihn aus, was macht ihn besonders und wie weit kann ein Lebenswille reichen? Darauf hat Jacqueline Harpman eine Antwort gegeben, freilich mit einer außergewöhnlichen Frau, die wir auf Erden wohl nicht so oft antreffen würden.
Es war eine fordernde Lektüre, die ich nicht missen möchte, weil sie mich zu Überlegungen aufforderte, deren ich mir nicht bewusst war.

Mir fehlen wohl einige Erfahrungen, die einen erst zum Menschen machen.
Die Autorin
Jacqueline Harpman (*5. Juli 1929 in Etterbeek; †24. Mai 2012) war eine belgische Schriftstellerin französischer Sprache und Psychoanalytikerin.
Harpman war die Tochter von Andries Harpman, einem jüdisch-holländischen Geschäftsmann, und Jeanne Honorez. Im Jahr 1940 floh die Familie vor den Nazis nach Casablanca und kehrte erst nach Kriegsende nach Brüssel zurück.
Sie schloss ein Psychologie-Studium an der Université Libre de Bruxelles ab und arbeitete mehrere Jahre lang als Psychotherapeutin an der Klinik Fond’Roy. Ihr Interesse galt auch dem Psychodrama und der Psychoanalyse.
1958 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, weitere 14 sollten folgen. Der hier vorgestellte Science-Fiction Roman erschien 1995 unter dem Originaltitel „Moi qui n’ai pas connu les hommes ».
Foto: Michiel Hendryckx
Die Übersetzerin
Bereits seit 1. August verstärkt Luca Homburg als Lektorin für internationale Literatur das Team von Schöffling & Co. Zuletzt absolvierte sie ein zweijähriges Volontariat im Literatur- und Sachbuchlektorat bei S. Fischer. Nach ihrem Studium der Philosophie, französischen Literatur und Translation in Durham, Paris und Wien sammelte sie erste Branchenerfahrung bei Der Audio Verlag, Residenz Verlag und Passagen Verlag. (Quelle Buchmarkt.de)
Foto: privat
Bibliographische Daten (Stand März 2026 – Klett-Cotta Verlag)
- TITEL: Ich, die ich Männer nicht kannte
- AUTORIN: Jacqueline Harpmann
- ÜBERSETZERIN: Luca Homburg
- GENRE: Roman
- VERLAG: Klett-Cotta Verlag
- UMFANG: 224 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM 14.März 2026
- ISBN-13: 978 3 6089 6670 1



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