Autorin: Maggie O‘Farrell
Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen und Kathrin Razum
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
Tomás arbeitet als Kartograph für die Rotröcke, die Soldaten der britischen Besatzer-Armee in Irland. Während einer Landvermessung in einem abgelegenen Tal entdecken Tomás und sein Sohn einen seltsamen und vergessenen Ort, ein Stück verwildertes Waldgebiet, das sich um eine uralte Quelle schart. Der Hain scheint ein mystisches Vermächtnis zu hüten und wer von dem Wasser trinkt, verwandelt sich. So geschieht es auch Tomás und nichts ist wie zuvor. In seiner Obsession, dieses Land zu besitzen, zwingt er seine Frau und die gemeinsamen Kinder seinem Weg zu folgen.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Land“
Ausufernde Familiengeschichten sind nicht meins, denn das ist Maggie O’Farrells neuestes Werk über eine irische Familie. Da kann man O’Farrells Wortgewandtheit noch so loben und preisen, der Roman bietet wenig Greifbares und präsentiert sich für mich als reine Unterhaltung mit Kitschfaktor.
Was macht für mich einen gelungenen Roman aus – diese Frage muss hier eine Antwort finden, damit die geschätzten Literaturinteressenten, die sich die Zeit nehmen, meine Eindrücke zu lesen, meine leise Unzufriedenheit nachvollziehen können.
Ich mag es, wenn ein Autor einen Schwerpunkt setzt und sich damit auseinandersetzt. Je nach Laune kann er sich dem Unterhaltungsgenre widmen oder etwas Neues und Aufregendes erzählen. Am liebsten mag ich es, wenn der Erzähler mich bei der Hand nimmt, und mich durch seine Geschichte führt, um mir zu zeigen, was es dort zu entdecken gibt. Und zu Beginn finde ich das Buch ganz ausgezeichnet! Das Handlungsfeld ist thematisch und geografisch abgesteckt und alsbald erkenne ich den Vater-Sohn-Konflikt und freue mich auf die Ausarbeitung desselben, durch die gekonnte Hand einer Frau, die ich bereits schätzen gelernt habe. Doch kommt alles anders als erwartet. Der stete Wechsel der Erzählperspektive, die zwischen den menschlichen Figuren, Hunden, einem ungeborenen Kind, einem Haus, dem Land selbst und einer allwissenden Perspektive wechselt, wird zu viel, zu umfangreich und zu ausschweifend. Handlungen und Figuren bleiben zu oberflächlich in der Ausarbeitung und ohne Fokus verliere ich das Interesse an der Lektüre. Dermaßen viel hat sich Maggie O’Farrell aufgeladen, dass sie dann in aller Eile die vielen Handlungsstränge mit wenigen Sätzen zum Ende hin abwürgen muss. Kaum glaubhaft, dass es so gewesen sein soll.
Fazit
„Land“ von Maggie O’Farrell präsentiert sich als eine von Schicksalen und unglaublichen Wendungen überladene Saga einer irischen Familie des 19. Jahrhunderts. Durchaus schwungvoll und unterhaltsam geschrieben, werden all jene Leser auf ihre Kosten kommen, die ein Faible für historisch angelehnte Familiengeschichten haben. Für mich wird allerdings von all dem wenig im Gedächtnis bleiben.

Die Autorin
Maggie O’Farrell, 1972 im nordirischen Coleraine geboren, zählt zu den wichtigsten irisch-britischen Autorinnen ihrer Generation. Nach Auszeichnungen mit dem Somerset Maugham Award und dem Costa Book Award gewann ihr hochgelobter Roman „Judith und Hamnet“ den Women’s Prize for Fiction 2020, den National Book Critics Circle Award 2020 sowie den British Book Award 2021 für den besten Roman. Die Kinoverfilmung „Hamnet“ (Drehbuch Chloé Zhao und Maggie O’Farrell) wurde 2026 mit zwei Golden Globes und einem Oscar für die beste Hauptdarstellerin geehrt. Auch „Porträt einer Ehe“ stand 2023 auf der Shortlist für den Women’s Prize for Fiction und war ein Sunday-Times-Bestseller. Quelle
Foto ©: Dasha Tenditna
Die Übersetzer
Nikolaus Hansen, geboren 1951 in Hamburg, studierte Philosophie, Anglistik und Geschichte. Er war Verleger u. a. von Rogner & Bernhard, Rowohlt, des mareverlags und der Verlage Arche und Atrium. Heute ist er einer der Leiter des »Harbour Front Literaturfestivals«. Er übersetzte u. a. Joseph Conrad, Mary Gaitskill, Edward St Aubyn, Kamila Shamsie, Willy Vlautin, Salvatore Scibona, Robert Stone und Greil Marcus.
Kathrin Razum, geboren 1964, studierte in Heidelberg Amerikanistik und Geschichte. Während ihrer akademischen Ausbildung arbeitete sie als freie Lektorin im Palmyra Verlag in Heidelberg; und kam durch diese Tätigkeit zum Übersetzen. Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet sie hauptberuflich als freie Literaturübersetzerin. Kathrin Razum lebt bei Heidelberg und übersetzt u. a. Susan Sontag, V. S. Naipaul, Edna O’Brien, Hilary Mantel, Rebecca Solnit und Laird Hunt. Quelle
Bibliographische Daten (Stand Mai 2026 – Piper)
- TITEL: Land
- AUTORIN: Maggie O’Farrell
- ÜBERSETZUNG: Nikolaus Hansen und Kathrin Razum
- GENRE: Roman
- VERLAG: Piper Verlag
- FORMAT: 576 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
- ERSCHEINUNGSDATUM: 05.2026
- ISBN-13: 978-3-492-07456-8
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