Autorin: Iris Wolff
Buchbesprechung kurz & knapp zusammengefasst
Eine Krankheit fesselt den elfjährige Lev für Wochen ans Bett und ausgerechnet die gescheite Kato wird zu ihm geschickt, um ihm die Hausaufgaben zu bringen. Zwischen den Kindern entsteht in diesen besonderen Wochen eine unverbrüchliche Verbindung, die Lev aus seiner Versteinerung löst und den beiden Heranwachsenden im kommunistischen Vielvölkerstaat Rumänien einen Halt bietet.
Ein halbes Leben später läuft Lev noch immer die Pfade ihrer Kindheit ab, während Kato schon vor Jahren in den Westen aufgebrochen ist. Geblieben sind Lev nur ihre gezeichneten Postkarten aus ganz Europa. Bis ihn eines Tages eine Karte aus Zürich erreicht, darauf nur ein einziger Satz:
»Wann kommst du?«
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Lichtungen“
„Lichtungen“ ist eine Liebesgeschichte, um die sich viele andere Geschichten ranken. Lev und Kato, der eine eher statisch, fast immer nur am gleichen Ort und die andere beweglich, ungebunden, neugierig und immer unterwegs, treffen sich als Kinder, durchleben zusammen die Jugend, bis Kato sich verknallt, mit Tom auf Europatour geht und Lev zurücklässt.
Er wollte nicht wahrhaben, dass sie unglücklich war, wie er jetzt, bis zum letzten Tag, nicht wahrhaben wollte, dass sie fortging.
Bewusst hat die Autorin die Geschichte in den Norden Rumäniens verlegt, etwas näher an die Grenze zur Ukraine. Handlungsorte sind der Banat, Siebenbürgen und die Maramures mit der historischen Bukowina und den Wäldern. Siebenbürgen, für Lev ein Kleineuropa, wo alles da ist, was er braucht. Hier ereignen sich 7 Kapitel lang die Leben der beiden, und zwar rückwärts in der Zeit. Ein Clou, könnte man meinen, der mir aber nicht gefällt, denn das bringt die Geschichte durcheinander. Bis ich erahne, wo und zu welcher Zeit ich mich hier wiederfinde, ist oft der Reiz des vorhin beendeten Kapitels verloren. Es fühlt sich an, als müsste ich die Leseschnur bei jedem Kapitel abschneiden, um irgendwo im Folgenden den Faden wiederzufinden.
„Sie wollte nicht alles sagen, nicht zu sehr das Wesentliche darlege„, so sagt Iris Wolff im Gespräch mit Denis Scheck (Anm. das Gespräch finden Sie in der ARD Mediathek). „Das Wesentliche passiert im Kopf der Leser“ und bei sehr vielen hat das auch funktioniert – nur leider bei mir nicht. Sicherlich, die Behutsamkeit und Zärtlichkeit in ihrer Sprache sind auch in „Lichtungen“ bemerkenswert, doch sind sie von Passagen mit Überflüssigem unterbrochen, die nicht nur meine Geduld fordern, sondern leider gleichzeitig meine Leseenergie schwinden lassen.
Fazit
„Lichtungen“ von Iris Wolff ist eine feinfühlige Geschichte zweier junger Menschen, die im Norden von Rumänien ihre Kindheit und Jugend verbringen. Ihre unterschiedlichen Charaktere sorgen für eine jahrelange räumliche Trennung, doch ihre besondere Verbindung scheint sie wieder zusammen zu führen.
Es ist auch hier wieder, wie bei Die Unschärfe der Welt: Der Roman ist einladend, wenn man ihn gefunden hat.

Die Autorin
Iris Wolff, geboren 1977 in Hermannstadt, Siebenbürgen, verbrachte ihre Kindheit als Tochter eines Pfarrers in Hermannstadt und in Semlak im Banat, bevor sie 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. Später studierte sie Deutsche Sprache und Literatur, Religionswissenschaft sowie Grafik und Malerei an der Philipps-Universität Marburg. Heute lebt sie in Freiburg im Breisgau und ist seit 2018 als freie Schriftstellerin tätig. Die Autorin wurde für ihr literarisches Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Marieluise-Fleißer-Preis und dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für ihr Gesamtwerk.
Foto © Ramin Talaie
Bibliographische Daten (Stand April 2024 – Klett-Cotta Verlag)
- TITEL: Lichtungen
- AUTORIN: Iris Wolff
- GENRE: Roman
- VERLAG: Klett-Cotta Verlag
- ERSCHEINUNGSDATUM: 13. Januar 2024
- UMFANG: 256 Seiten
- ISBN-13: 978 3 608-98770-6
In meinem Blog finden Sie auch die Buchbesprechungen zu nachstehenden Romanen:



Leave A Reply