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Machtspiele

18 Oktober 2023

Autorin: Alice Zeniter

Aus dem Französischen von Yvonne Eglinger

Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst

Mit „Machtspiele“ zeichnet Alice Zeniter ein aktuelles Bild der französischen Gesellschaft, der politischen Landschaft und der irrealen Welt des Internets.

Antoine, ein junger ambitionierter Bretone, ist Assistent eines sozialistischen Politikers und zuständig, dass sein Auftraggeber für jede Situation gerüstet ist. Als nach den Unruhen mit den „Gelbwesten“ die Cybersecurity auf der Tagesordnung im Parlamentsausschuss landet, weiß er anfangs gar nichts damit anzufangen. Da begegnet er der Hackerin L., die ihm versucht, das „Drinnen“ zu erklären.

Im Drinnen konnte man sich nie sicher sein, sicher zu sein, es gab dauernd neue Erfindungen, neue Verfahren, einen noch fantasievolleren und geduldigeren Hacker als all jene, die die Schutzvorrichtungen erarbeitet hatten.

L. durchlebt eine schwierige Zeit. Nachdem ihr Freund verhaftet wurde, weil er beschuldigt wird, sich unerlaubt Zugang zu Daten beschafft zu haben, fühlt sie sich nicht mehr sicher und lebt im Untergrund. Dieser Umstand löst in ihr eine Psychose aus und sie braucht Antoines Hilfe.

Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Machtspiele“

„Machtspiele“ ist ein sehr französischer und aktueller Roman, der sich einerseits mit den politischen Unruhen und anderseits mit der faszinierenden Welt des Internets beschäftigt. Aus diesem Mix entsteht ein Plot, der bis zum Schluss spannende Lesestunden garantiert.

Das Französische in dem Roman ist der Bezug zur französischen politischen Landschaft mit den Bildern der „Gelbwesten“, die auch in anderen europäischen Ländern über dem Bildschirm flimmerten. Nun ist die Zeit, in der die Proteste dieser Gruppe in aller Munde waren, vorbei. Dennoch ist es der Autorin gelungen, mir ein konkretes Gefühl des damaligen Aufruhrs zu übermitteln, sodass ich ein Verständnis entwickeln konnte für die immer wieder aufflackernde gesellschaftlichen Proteste.

Das Aktuelle hingegen spielt zwar in Frankreich, könnte aber genauso gut irgendwo auf dieser Welt sich zutragen, denn es betrifft die Welt des Internets und die Bedrohung, die von den sich dort tummelnden IT Profis ausgeht.

Irgendwo in all den Codezeilen, aus denen die Cyberwelt entrichtet war, musste es einen Fehler geben, mindestens einen, meist mehrere, und wenn man ihn fand, konnte man damit verschiedene Dinge tun.

Stilsicher beschreibt die Autorin ihre beiden Hauptromanfiguren Antoine und L., die beide für einen Themenstrang stehen: der junge aufstrebende Assistent eines Politikers und eine etwas verlorene, sich mit dem täglichen Leben schwer tuende Hackerin.

L. betrachtete die Welt als Wohngemeinschaft zweier unterschiedlicher Raumzeiten, die sie das Drinnen und das Draußen nannte und die – ihr zufolge – durch das Drücken der -Taste klar voneinander getrennt waren.

Antoine kommt aus der Bretagne, wo er als herausragender Schüler einen Aufstieg in der französischen Hauptstadt via Eliteausbildung versucht. Als Assistent des sozialistischen Parlamentariers zählt es zu seinen Aufgaben, für seinen Auftraggeber Reden zu verfassen, die er mehr oder weniger beliebig aus umzustellenden und frei kombinierbaren Satzblöcken, gespickt mit Auszügen aus Archiv- und Fremdmaterial zusammenfasst.

Die Gegenfigur dazu ist die Computer-Spezialistin L., im Drinnen mehr zuhause als im reellen Leben.

So teilt sich auch das Buch in stets alternierende Kapitel, die sich ausschließlich mal mit der einen, mal mit der anderen Romanfigur beschäftigen, bis, etwas ab der Hälfte, die beiden endlich aufeinandertreffen als sich Antoine berufsmäßig um Cybersecurity kümmern muss und L. die richtige Ansprechpartner dafür ist.

„Machtspiele“ erinnert mich, besonders was die Psychosen der jungen Hackerin L anbelangt, an den Roman „Die Kinder sind Könige“. Das Internet ist kein sicherer Ort, dürfte soweit die Botschaft angekommen sein.

Das Internet ist kein Land, es ist nichts irdisches. Es ist eine völlig andere Welt.

Fazit

Alice Zeniter ist mit „Machtspiele“ ein extrem zeitgenössischer, genau beobachtender, spannender und literarisch ansprechender Roman gelungen. Mit Antoine und L. gelingt ein spannender Einblick in die französische Politlandschaft und die stets dynamische und unberechenbare Welt des Internets.

Machtspiele

Denn wenn man auf einen virtuellen Kriegsbeginn ebenfalls nur mit einem informatischen Angriff reagieren kann, steht man schnell vor einem Problem: Im Grunde verfügt Frankreich über keinerlei virtuelle Armee.

Die Autorin

Alice Zeniter wurde 1986 in Clamart geboren und wuchs in dem kleinen Dorf Champfleur auf, bis die Familie nach Alençon zog. Sie lebt heute in Paris und in der Bretagne. Schon als Schülerin schrieb sie ihren ersten Roman. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie an der École normale supérieure in Paris. Sie arbeitet(e) als Lehrerin und Dramaturgin.

Internationales Aufsehen erregte sie mit ihrem fünften Roman, „Die Kunst zu verlieren“, mit dem sie es  u.a. in die letzte Auswahl für den Prix Goncourt schaffte, den begehrten Prix Goncourt des Lycéens erhielt und außerdem im Jahr 2022 den wohl begehrtesten Preis für ein literarisches Einzelwerk, den Dublin Literary Award. 2020 erschien in Frankreich „Comme un empire dans un empire“ („Machtspiele“, 2023), der nun auf Deutsch übersetzt und publiziert wurde. 2022 „Toute une moitié du monde“ erschien ihr vielbeachteter Essay zur Rolle der Frau in der Literatur. (Deutsch: „Eine ganze Hälfte der Welt“, erscheint im Oktober 2024). Quelle: Piper Verlag

Machtspiele Alice Zeniter

Die Übersetzerin

Zur Übersetzerin ist im Internet leider nicht viel zu finden.

Yvonne Eglinger, geboren 1988, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und lebt inzwischen als Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen in Freiburg.

Bibliographische Daten (Stand Oktober 2023 – Berlin Verlag)
  • TITEL: Machtspiele
  • AUTORIN: Alice Zeniter
  • ÜBERSETZERIN: Yvonne Eglinger
  • GENRE: Roman
  • VERLAG: Berlin Verlag
  • UMFANG:
  • ERSCHEINUNGSDATUM:
  • ISBN-13: 978 3 8270 1436 8

Zum Thema Internet und Psychosen finden Sie in meinem Blog die Buchbesprechung zu Delphine de Vigans Roman Die Kinder sind Könige.

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Astrid

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