Autorin: Judith W. Taschler
Buchbesprechung kurz & knapp zusammengefasst
„Nur nachts ist es hell“ ist die Fortsetzung des großen Familienromans über die Mühlviertler Familie Brugger , dessen erster Teil Über Carl reden wir morgen ist.
Elisabeth ist das jüngste der vier Brugger-Kinder. Zusammen mit ihren Brüdern, den Zwillingen Eugen und Carl, und Gustav wächst sie behütet auf dem Familiengut auf. Der Erste Weltkrieg fügt der Familie Brugger großes Leid zu, keiner kann nach den Ereignisses ein unbeschwertes Leben weiterführen. Elisabeth, die für ihre Großnichte Christina die Familiengeschichte aufzeichnet, erzählt über ihr Leben und bindet darin die Schicksale ihrer Brüder und Eltern mit ein.
Während des Krieges arbeitet sie als Lazarettschwester, und studiert später in Wien Medizin. Sie heiratet den besten Freund ihres geliebten Bruder Gustavs, der versehrt von der Südfront zurückkehrt und ist in der gemeinsam geführten Praxis u. a. als Gynäkologin tätig. Wiederum bleibt die Familie Brugger von Leid und Freud, Verstrickungen und Schicksalsschläge während der Zwischenkriegszeit und des 2. Weltkrieges nicht verschont.
Und heute kann ich sagen: Ich habe zwar keine Tochter bekommen, dafür aber dich. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie glücklich ich darüber bin, dich hier bei mir zu haben, liebe Christina.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Nur nachts ist es hell“
Wer eine Familie und einen Stammbaum, der mehrere Generationen umfasst, vorweisen kann, weiß um die Bedeutung von überlieferten Familiengeschichten, die diese begrenzte, ganz subjektive, kleine Familienwelt, in die man geboren wird, greifbar, verständlich und kostbar machen. Meist ist es die ältere Generationen, die erzählt und die jüngste, die gespannt und wissbegierig zuhört, um eingebettet im Flair vergangener Zeiten, von Ereignissen zu erfahren, die eine Familie bis in den heutigen Tag prägen.
Ich begann mir zwanghaft vorzustellen, wie unser Leber, vor allem das meiner Brüder, verlaufen wäre, wenn es den ersten Krieg – und in der Folge den zweiten – nicht gegeben hätte.
Unter diesem Aspekt lese ich fasziniert den 2. Teil der Familienchronik. Es sind Lebenserinnerung von Elisabeth, die sie für ihre junge Großnichte aufzeichnet um ihr nicht nur zu sagen, aus welcher Familie sie stammt, sondern um ihr die geschichtlichen und politischen Begebenheiten zu erklären, die einschneidende, drastische Konsequenzen für die Familie Brugger hatten.
Ich bin überzeugt davon, dass es in jeder Sippschaft einen Menschen gibt, der – für das Wohl der Familie – mehr auf sich nimmt als die anderen. In unserer war das dein Großvater gewesen, und er selbst war daran zerbrochen.
Die intimen Einblicke in Elisabeths Familienleben berühren mich sehr und auch wenn es zeitlich oft hin und her geht, so entspricht diese Erzählweise doch der Art, wie es ältere Mensch meist machen. Wie immer, wenn man sich lang zurückliegende Ereignisse ins Gedächtnis ruft, kommen diese nicht chronologisch geordnet sondern eher in Wellen wieder, in kleinen, zufälligen Happen, und sie springen immer wieder vor- und rückwärts in der Zeit.
Durch die Ich-Form, die Judith W. Taschler bewusst verwendet, spüre ich eine engere Verbindung zu Elisabeth und durch sie zu ihren geliebten Brüdern. Es ermöglicht mir, die komplexe Gedanken- und Gefühlswelt auf eine sehr direkte Art und Weise zu verstehen, und ich bin sofort mitten im Geschehen. Diese Authentizität und die kleinen Bekenntnisse, deren Mitwisserin ich nun geworden bin, haben mich regelrecht in diesen Roman verlieben lassen.
Unter Umständen kann der Leser, der den 1. Teil der Familiengeschichte „Über Carl reden wir morgen“, der 2021 erschien, nicht kennt, mit Elisabeths Aufzeichnungen hadern. Liebhaber chronologisch geordneter Handlungsstränge sollten dies bei der Buchwahl berücksichtigen.
Fazit
Im zweiten Teil der Geschichte der Familie Brugger aus dem Mühlviertel „Nur nachts ist es hell“ erzählt die Tochter Elisabeth über jene Ereignisse, die nach dem ersten Weltkrieg bis hin in die 50ger Jahre, die Familie Brugger entschieden geprägt haben. Der Roman ist eine gelungene Fortsetzung der Familienchronik, erzählt von Elisabeth, der einzigen Tochter Carl Bruggers, einer für die damalige Zeit außergewöhnlichen, starken Frau.

Wir müssen in unserem Leben immer das Element des Zufalls miteinbeziehen, und ich frage mich manchmal, wie groß das durchschnittliche Kontingent von Glücksfällen und Unglücksfällen in einem einzelnen Leben ist.
Die Autorin
Judith W. Taschler, geboren 1970 in Linz, wuchs mit sechs Geschwistern, vielen Tieren und Büchern in einem großen, gelben Haus im Mühlviertel auf. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte unterrichtete sie einige Jahre lang. Sie lebt in Innsbruck. Für ihren Bestseller-Roman Die Deutschlehrerin erhielt sie 2014 den Friedrich-Glauser-Preis. Mehr über die Autorin erfahren Sie auf ihrer Website.
@Website
Bibliographische Daten (Stand September 2024 – Zsonlay Verlag)
- TITEL: Nur nachts ist es hell
- AUTORIN: Judith W. Taschler
- GENRE: Roman
- VERLAG: Zsonlay Verlag
- UMFANG: 316 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM: 19. August 2024
- ISBN-13: 978 3 5520 7507 8
Von Judith W. Taschler finden Sie in meinem Blog auch die Buchbesprechung zu Über Carl reden wir morgen.



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