Autor: Robert Prosser
Buchbeschreibung kurz & knapp zusammengefasst
In einem Bergdorf in Tirol sind zwei Einheimische von einer Lawine verschüttet worden. Während Tina um ihr Leben kämpft, fehlt von ihrem Freund jede Spur. Als einer der vielen Freiwilligen beteiligt sich auch ihr Onkel Xaver an der Suche im unwegsamen Gelände. Als Heranwachsender hatte er erleben müssen, wie der geliebte Großvater in den Bergen verschwunden war. Damals hatte der Einsiedler Mathoi die richtigen Hinweise zum Auffinden des Mannes gegeben, aber Xaver und seine Mutter kamen zu spät – der Großvater war tot. Jahrelang lastet schwere Schuld auf Xavers Schultern und der Zweifel, ob er seinen Großvater hätte retten können.
Getrieben von der Hoffnung auf Befreiung der alten schweren Fesseln macht er sich auf eigen Faust auf die Suche nach Mathoi. Doch dazu muss er erst seine Mutter finden, die sich nach dem Zerfall der Familie, vom Alkohol und der Arbeit im Tourismus gezeichnet, ins Hochgebirge zurückgezogen hat.
Für Anna dagegen war die Erinnerung fest an Orte geknüpft, die sich hier im Gebirge fanden. Vielleicht war das einer der Gründe, weshalb sie es oben aushielt. Unten mochte alles verändert sein, aber in der Höhe, die mit Flechten bewachsen und von dürrem Gehölz durchsetzt war, schien die Vergangenheit greifbar.
Bei all dem sich abspielenden Drama versucht Xaver seinen Platz im Leben und mit der Lawine seine Chance zu finden, um sich zu beweisen.
Aber schau, was ich stattdessen hab. Dich. Zusammen schaffen wir das.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Verschwinden in Lawinen“
Es war wahrlich kein leichter Einstieg in diese Lektüre, ein schmales Büchlein, des Tiroler Autors Robert Prosser, der mit seinem Roman Phantome 2017 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Als Finalist des XV. Internationalen Literaturpreises Merano-Europa darf ich dieses Werk lesen und bin überrascht von der Kraft, die von der Geschichte ausgehen. „Verschwinden in Lawinen“ überzeigt durch eine geschickt konstruierte Handlung, klarer Sprache, mit gut platzierten Rückblenden, und einem Spannungsbogen, der bis zur letzten Seite aufrecht bleibt.
Es erwachen eigene Kindheitserinnerungen an den Wandel der Zeit mit den Anfängen des Tourismus in Südtirol und an den Weg, den meine Mutter in ähnlicher Weise gegangen ist. Ich kann mich in Anna wiederfinden, und auch in Xaver, zu beiden kann ich eine Verbindung herstellen, die über eine oberflächliche Lektüre hinausgeht. Stellenweise ist das auch meine Geschichte, nicht bloß als erinnerte Vorstellung, sondern als körperliches Erleben. Das ist unglaublich!
„Verschwinden in Lawinen“ ist eine kraftvolle Geschichte über ein tragisches Schicksal, das in Annas und Xavers Herzen tiefe Spuren hinterlassen und beide stark gezeichnet zurückgelassen hat. Und gleichzeitig gibt es Hoffnung auf Vergebung und die Chance, etwas wiedergutmachen zu können, das vor vielen Jahren klaffende Wunden in die Seele getrieben hat. Passend dazu das Setting in den Tiroler Alpen, mit ihrem schroffen Charme und der unberechenbaren Natur, die sich im Charakter der Romanfiguren mit feinen Nuancen widerspiegelt; das hat mich vollends überzeugt.
Fazit
Mit stiller Wucht erzählt der Roman „Verschwinden in Lawinen“ von der Suche nach der richtigen Rolle, dem richtigen Abstand zu den Menschen wie zur eigenen Vergangenheit. Und nicht zuletzt von der Sehnsucht nach Versöhnung und Erlösung. (Zitat www.robertprosser.at).

Bis jetzt hatte er geglaubt, das Versagen bei der Suche nach dem Großvater wiedergutmachen zu können.
Der Autor
Robert Prosser, geboren 1983 in Alpbach (Tirol), wo er auch heute als Schriftsteller und Performer lebt. Für „Phantome“ war er 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Er schreibt Romane, Librettos, für das Theater und ist bekannt für seine literarischen und musikalischen Performances.
Mehr über den Autor erfahren Sie auf seiner Website: http://www.robertprosser.at/
© Gerald von Foris
Bibliographische Daten (Stand Juni 2024 – Jung und Jung Verlag)
- TITEL: Verschwinden in Lawinen
- AUTOR: Robert Prosser
- GENRE: Roman
- VERLAG: Jung und Jung Verlag
- UMFANG: 192 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM: 23. Februar 2023
- ISBN-13: 978 3 9902 7273 2
Das Buch ist zusammen mit Offene Gewässer und Ein Hund kam in die Küche Finalist des XV. Internationalen Literaturpreises Merano-Europa 2024 – deutsche Sektion, der am 06 Juni 2026 im Pavillon des Fleurs in Meran verliehen wird. @Passirioclubassociazione
Den Preis gewonnen hat der Südtiroler Lokalmatador Sepp Mall mit seinem Roman „Ein Hund kam in die Küche“.



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