Autorin: Alexandra Blöchl
Buchbesprechung kurz & knapp zusammengefasst
Vida lebt mit ihren Eltern auf der Insel N. im Norden Deutschlands. Sie ist verlobt und soll bald ihren Jugendfreund heiraten, eine Gelegenheit, bei der ihr Bruder Zander wieder zu Besuch kommen wird. Pflichtbewusst hat sie seine Rolle in der Familie und im familiengeführten Betrieb übernommen, als er die Enge auf der Insel nicht mehr aushielt und auf dem Festland seine große Chance witterte.
Er hinterließ einen mächtigen Schatten, als er ging. Er tunkte uns alle in vorübergehende Düsternis, aus der wir nur allmählich wieder herausfanden, manche eher, manche schlechter, meiner Mutter war es nie gelungen.
Eines Tages zieht eine Fremde ins leerstehende Nachbarhaus ein. Die junge Frau ist unkonventionell und voller Lebensfreude, mit einer Vorliebe fürs Schwimmen in ihren selbstkreierten Fischflossen, einer Meerjungfrau gleich. Vida ist fasziniert, neugierig und fühlt sich schnell zu ihr hingezogen. Die beiden freunden sich an und verbringen viel Zeit miteinander.
Marie war anders, dachte anders, beschäftigte sich mit fremdartigen Dingen und weckte etwas in mir, was ich bis dahin nur selten, womöglich noch nie verspürt hatte: die Neugierde auf einen anderen Menschen.
Als Zander vor dem erwarteten Besuchstermin überraschend zurückkehrt und kundtut, dass er bleiben will, überschlagen sich die Ereignisse.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Was das Meer verspricht“
Ich bekam E-Mail Post vom dtv in der der Roman „Was das Meer verspricht“ angekündigt wurde. Ich hätte das Buch wegen des Titels eher nicht gewählt, aber das Cover fand ich schön und der Klappentext weckte meine Neugierde. Es genügten wenige Sätzen und ich war mir sicher, dass das Buch etwas für mich sein könnte. Und tatsächlich werde ich nicht enttäuscht sondern freudig überrascht! Es fällt mir gleich auf, hier habe ich es mit einer Autorin zu tun, die weiß, was sie schreibt und ich bemerke ihre feine Note des schriftstellerischen Könnens.
Eingebettet in eine klare Struktur, an einem Handlungsort, den ich mir gut vorstellen kann, erzählt Alexandra Blöchl eine Liebesgeschichte aus der Perspektive der jungen Inselbewohnerin Vida.
Ich war in dezente Schieflag geraten und krallte mich nun am Rand der Bande fest, um nicht vollends das Gleichgewicht zu verlieren.
Wie sie das tut, ist überaus angenehm zu lesen und leicht aufzunehmen. Ich finde den psychologischen Aspekt der Entdeckung einer sexuellen Neigung und der sich daraus entwickelten Charakteränderung sehr gelungen. Die Gefühlsbilder, die Alexandra Blöchl vermittelt, passen zum Setting einer abgeschiedenen Nordseeinsel, und die beiden sehr unterschiedlichen Frauen bieten einen ansprechenden Gegensatz.
Immerhin schien Marie nichts davon zu bemerken, tatsächlich erweckte sie den Eindruck, als hätte sie nie einen Gedanken daran verschwendet, eventuell etwas anderes zu empfinden als reine Freundschaft, die sie mir entgegenbrachte.
Das baut natürlich Spannung auf. Ich habe die dezenten Beschreibungen, in denen sich Vida ihren eigenen Gefühlen stellt, sehr geschätzt und mochte die Dialogpassagen, die den wortkarten Charakter der Insel gut verkörperten. Gleichzeitig mit der Veränderung treten mit kräftigeren Aussagen die Schattenseiten einer unkontrollierten Liebe hervor, die schlussendlich in einer überraschend tragischen Wendung enden.
Ich denke, Marie merke es im selben Moment, in dem es mir klar wurde: Die Energie, die sie n mir freigesetzt hatte, war so stark, wie sie zerstörerisch war, sie würde vor nichts haltmachen, würde nichts von uns übrig lassen, und ich konnte sie nicht beherrschen.
Überrascht von der Intensität der Erzählung und vor allem der sehr ansprechenden Sprache, habe ich Alexandra Blöchl im Internet gesucht. Als ich ihre Vita google, wird mir klar, warum das Buch durch eine ganz besondere Qualität besticht. Die Autorin veröffentlichte nicht nur unter ihren Synonymen Anne Sanders und Lea Coplin bereits Bestsellerbücher, sondern wurde als Redakteurin ausgebildet und arbeitete als Volontärin auch bei der Süddeutschen Zeitung.
Fazit
„Was das Meer verspricht“ ist ein stimmiger Roman über eine junge Frau, die sich sexuell neu findet, und damit überfordert ist. Das Buch ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer melodramatisch, hochpoetisch oder gehaltvoll hergehen muss, um den Leser direkt anzusprechen.

... und dachte darüber nach, dass sich das Leben auf dieser Insel anfühlte wie die immer gleiche Schallplatte, die ständig von vorn anfängt.
Die Autorin
Alexandra Blöchl wurde 1969 in Wuppertal geboren und lebt als freie Autorin in der Nähe von München. Unter anderen Namen veröffentlichte sie bereits Bestsellerromane.
Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin arbeitete die in Wuppertal und München aufgewachsene Autorin als Journalistin. Zur Redakteurin ausgebildet wurde sie als Volontärin der Süddeutschen Zeitung, für die sie viele Jahre lang schrieb. Dem Genre Jugendbuch blieb die Autorin auch weiterhin treu. Neben Anne Sanders wurde Lea Coplin zu ihrem zweiten offenen Pseudonym. 2022 erhielt sie das Arbeitsstipendium für Literatur der Landeshauptstadt München. Aus diesem Projekt entstand der Roman „Was das Meer verspricht“, der im März 2024 unter ihrem bürgerlichen Namen Alexandra Blöchl bei dtv erschienen ist. Mit dem vorliegenden Roman schlägt sie nun ein neues Kapitel in ihrer schriftstellerischen Laufbahn auf.
Die Schriftstellerin ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann im Raum München.
Foto © Christian Endt
Bibliographische Daten (Stand April 2024 – dtv)
- TITEL: Was das Meer verspricht
- AUTORIN: Alexandra Blöchl
- GENRE: Roman
- VERLAG: dtv Verlagsgesellschaft
- UMFANG: 280 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM: 14. März 2024
- ISBN-13: 978 3 4232 8388 5
In meinem Blog finden Sie auch die Buchbesprechung zu Alexandra Blöchl neuem Roman Diesen Sommer springen wir.
Ihnen hat der Roman gut gefallen? Dann lesen Sie doch auch Unser wirkliches Leben von Imogen Crimp.



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