Autor: Reinhard Kaiser-Mühlecker
Buchbesprechung kurz & knapp zusammengefasst
„Wilderer“ ist der 2. Band der österreichischen Familientrilogie, die große, existenzialistische Erzählung der oberösterreichischen Bauernfamilie Fischer.
Jakob Fischer übernimmt als jüngster Sohn den familiären Bauernhof und kämpft gegen den Niedergang. Als die Künstlerin Katja sich im Dorf niederlässt, erkennt Jakob sie. Auch sie ist auf einem Dating-Portals unterwegs und sie haben bereits miteinander über die Plattform kommuniziert. Nur langsam kommen sie sich menschlich näher und als Katja sich auf dem Hof als Praktikantin anbietet, scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden. Jakob, der schon immer das Gespür für gewinnbringende landwirtschaftliche Belange hatte, kann mit ihr gemeinsam eine biologische Tierhaltung aufbauen. Bald heiraten sie und bekommen einen Sohn. Wären da nicht die Hunde des Hofes, die Jakobs Glück trüben. Er kann ihren Jagdtrieb nicht zähmen und ihre Wilderei nicht verhindern. Die Umstände fügen sich unglücklich zusammen.
Meine persönlichen Leseeindrücke zu „Wilderer“
Ich lese die Familientrilogie rückwärts: nach Brennende Felder, der letzte Band, der von der unglückbringenden Halbschwester Luisa erzählt, habe ich mit „Wilderer“ die Geschichte Jakobs auf dem Tisch. All meine Begeisterung der vorherigen Kaiser-Mühlecker Literatur kann ich hier nur wiederholen. Auch „Wilderer“ erzeugt einen gewaltigen Lesesog, die Seiten fliegen nur so dahin und gekonnt gesetzte Leseakzente geben der Lektüre den richtigen Kick!
Kaiser-Mühlecker schafft es wieder mühelos, eine Person mit komplexer Struktur in besonderen Farben zu zeichnen. Denn Jakob, der stille zuweilen auch eigenbrötlerische Junge, hat sich zu einem erfolgreichen Jungbauern, Ehemann und Vater gemausert. Die Verbindung zu Katja hat das Beste aus ihm herausgeholt. Zusammen sind sie ein gutes Team, in jederlei Beziehung, besonders weil Katja nicht schlecht darin ist, zu bekommen, was sie wolle.
Dass man ihn jetzt anrief, dass er jetzt dazugehört, das hatte aber nicht nur das Geld gemacht; das hatte vor allem Katja gemacht.
Doch in Jakob verbirgt sich auch eine dunkle Seite seiner Persönlichkeit, die er stets versucht, in den Griff zu bekommen. Der Wildtrieb der Hofhunde, die Freilebendes jagen, ist Jakobs Instinkt nicht unähnlich. Doch was ihm mit enormer Selbstbeherrschung zu gelingen scheint, wirkt bei den Hunden nicht. Ihr Jagdverhalten, das er nicht brechen kann, ist zu ausgeprägt und so kommt es, dass auch sein größter Kraftakt nicht ausreicht, seine Handlungen zu mildern, sondern wie einem Urinstinkt folgend tut er seltsame Dinge, die er, hätte er mit klarem Verstand nachgedacht oder sich Katja anvertraut, so nicht getan hätte.
Ja, es waren die Umstände, die ihn zuzeiten seltsame Dinge tun hatten lassen. Er war kein schlechter Mensch, nein. Immer nur die Umstände.
Dass ausgerechnet Katja ihm daraus einen Strick dreht, läutet das Ende des Romans mit einem Knall ein. Er steht vor einem familiären und finanziellen Trümmerhaufen und muss wieder von vorne anfangen muss.
Er war kein Feigling. Er konnte nur die Zähne zusammenbeißen und sich nichts anmerken lassen. Das konnte ein Mann immer tun.
Fazit
Der Wildtrieb der Hofhunde als Symbol für Jakobs gewalttätige, über Jahre hin mühsam gezähmte Natur: das steckt in „Wilderer“, dem 2. Band der Familiensaga. Der Bauernstand im Wandel der Zeit, kein Dorfidyll oder verblendete Realität, sondern der Mensch inmitten von Tier und Land.

Der Autor
Reinhard Kaiser-Mühlecker wurde 1982 in Kirchdorf an der Krems geboren und wuchs in Eberstalzell, Oberösterreich, auf. Er studierte in Wien und betreibt eine Landwirtschaft. »Ich sehe es als eine Art Verpflichtung an, die Welt, die ich kenne, erfahrbar zu machen – einem, der sie nicht kennt. Der Roman »Fremde Seele, dunkler Wald« stand 2016 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. 2019 erschien der Roman »Enteignung«. Für sein Werk wurde Reinhard Kaiser-Mühlecker mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Frühjahr 2022 erschien Reinhard Kaiser-Mühleckers Roman »Wilderer«, der für den Deutschen Buchpreis und den Österreichischen Buchpreis nominiert war und mit dem Bayerischen Buchpreis 2022 ausgezeichnet wurde. Brennende Felder ist der dritte Band der Trilogie und wurde mit dem Österreichischen Buchpreis 2024 ausgezeichnet.
Für weitere Informationen über den Autor besuchen Sie bitte seine Website.

Foto © Peter Rigaud
Bibliographische Daten (Stand Oktober 2025 – S. Fischer Verlag)
- TITEL: Wilderer
- AUTOR: Reinhard Kaiser-Mühlecker
- GENRE: Roman
- VERLAG: S. Fischer Verlag
- UMFANG: 350 Seiten
- ERSCHEINUNGSDATUM der Hardcoverausgabe:
- ISBN-13: 978 3 1039 7104 0
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